Gegen Diskriminierung ist GRAS gewachsen

Wollen wir freies Studieren, müssen wir diskriminierungsfreie Hochschulen und gleiche Rechte für alle schaffen. Unabhängig von Geschlecht, der körperlichen Verfassung, dem sozialen Hintergrund, dem Herkunftsland oder der Einordnung in sonstige gesellschaftlich konstruierte Kategorien – wir wollen gleichberechtigtes Studieren für alle ermöglichen. Die GRAS steht für vielfältige und diverse Hochschulen.

Bildung ist Unisex

Wir schreiben das Jahr 2015 und noch immer ist es notwendig, hartnäckig für eine gleichberechtigte Welt zu kämpfen und für Feminismus einzutreten. Denn Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht gehören nach wie vor zu unserem Alltag und machen auch vor den Hochschulen nicht Halt.

Es braucht ein seriöses Bekenntnis zur gezielten Frauen*förderung in allen Hochschulsektoren. Wir fordern die Umsetzung bzw. die Festschreibung der 50%-Quote, konkrete Förderungsmaßnahmen durch feministische Projekte und Lehrveranstaltungen. Strukturelle Hürden müssen aufgezeigt und abgebaut werden. Außerdem wollen wir Abteilungen bzw. Beauftragte in allen Hochschulen einsetzen, die sich gezielt mit Gleichbehandlung auseinander setzen und Gender-Budgeting verankern. Ein finanzielles Anreizsystem soll schließlich dabei helfen, Halbe-Halbe endlich auch an den Hochschulen zu erreichen.

Aktuelle Situation

Heute sind 54% der Studierenden an österreichischen Hochschulen Frauen. Mit steigender Hierarchie sinkt allerdings der Frauen*anteil signifikant. So sind weniger als ein Viertel der Professor_innen weiblich. Dies liegt nicht an einem Mangel an qualifizierten oder motivierten Frauen*, sondern an gesellschaftlich bedingten Hindernissen und Barrieren, die Frauen* den Aufstieg in (gut bezahlte!) Spitzenpositionen an Hochschulen, in der Forschung, ebenso wie in anderen Berufszweigen, verwehren. Gleichzeitig arbeiten Frauen* verstärkt in prekären und unsicheren Arbeitsverhältnissen.

Bedingt ist dies einerseits durch etablierte, männlich* normierte Strukturen und andererseits durch sozialen Druck und gesellschaftliche Prägung. So ist beispielsweise die Kinderbetreuung noch immer ungleich aufgeteilt. Auch Bewerbungs- und Einstellungsverfahren sind auf männliche* Sozialisationscharaktere zugeschnitten, während gesellschaftliche Rollenbilder Frauen* Zurückhaltung und Bescheidenheit antrainieren.

Gezielte Förderungsmaßnahmen

Obwohl Frauen*förderung und Quoten teilweise im Hochschulgesetz verankert sind, hat sich in den letzten Jahren diesbezüglich nur bedingt etwas getan. In öffentlichen Universitäten ist die Frauen*quote in allen Kollegialorganen mittlerweile verpflichtend. An Privaten Universitäten ebenso wie Fachhochschulen fehlt diese Quote. Gerade im privatwirtschaftlichen Sektor müssen Frauen aber besonders stark kämpfen und für sich lobbyieren, um aufzusteigen.

Um Quoten auch tatsächlich durchzusetzen, wurden an Pädagogischen Hochschulen und Öffentlichen Universitäten Arbeitskreise für Gleichbehandlungsfragen (AKGs) eingesetzt. An viele Fachhochschulen als auch an privaten Universitäten fehlen Gleichstellungsbeauftrage wiederum oft.

Wir fordern ein seriöses Bekenntnis zu Frauen*förderungmaßnahmen und eine Festschreibung von min. 50% Frauen*-anteil beim Hochschulpersonal in allen Karrierestufen pro Organisationseinheit (Fakultät, Forschungsgruppen,…) bis 2025.

Habilitation abschaffen

Eine weitere strukturelle Hürde stellt die Habilitation dar. Diese stellt die volle Lehrberechtigung an österreichischen Universitäten dar. Statistiken zeigen, dass genau hier eine der vielzitierten gläsernen Decken für Frauen* besteht, denn für eine Habilitation melden sich weit weniger Frauen* an. Wir wollen die Habilitation als Bedingung für gut bezahlte Lehrposten auf der Karriereleiter abschaffen und damit Durchlässigkeit schaffen. Lehre kann und muss schließlich durch andere Kriterien vergeben werden als durch die einmalige Habilitation.

Gender-Budgeting:

Geschlechtergerechtigkeit zeigt sich an einer ausgeglichenen Aufteilung von Geld. Mit Gender-Budgeting werden öffentlich Mittel geschlechtsbezogen aufgeteilt, was zu gleicher Bezahlung und zu Gleichstellung führt. Auch wenn Gender-Budgeting seit 2009 im Bundesverfassungsgesetz festgeschrieben ist, wenden nur wenige öffentlichen Institutionen dies wirklich an. Hochschulen, die einen öffentlichen Bildungsauftrag zu erfüllen haben und über öffentliche Gelder finanziert werden, müssen diese Maßnahme endlich initialisieren. Gleichzeitig macht Gender-Budgeting Transparenz unerlässlich, weshalb wir eine Offenlegung und Anonymisierung der Gehälter fordern. Damit gerechte Bezahlung keine Verhandlungssache bleibt!
Halbe-Halbe an den Hochschulen

Um endlich 50/50 an den Hochschulen zu erreichen, braucht es ein seriöses Bekenntnis zur Gleichberechtigung und eine praktische Umsetzung durch gezielte Förderungsmaßnahmen. Wir fordern:

  • Festschreibung von min. 50% Frauen*-anteil beim Hochschulpersonal in allen Karrierestufen pro Organisationseinheit (Fakultät, Forschungsgruppen,…) bis 2025
  • Einrichtung von Abteilungen für Gleichbehandlungsfragen und Diversität
  • Durchsetzung von Gender-Budgeting, und Abbau von strukturellen Hürden für Frauen*
  • Finanzielle Anreize für Hochschulen mit erfolgreicher Frauen*förderung
  • Abschaffung der Habilitation

Warum wir Uni-Sex plakatieren?

Für die GRAS ist Feminismus eine Querschnittmaterie. Wir treten grundsätzlich dafür ein, dass alle Menschen selbstbestimmt und lustvoll leben können. Dies sehen wir auch in Hinblick auf Liebe und Sexualität. Nach wie vor gilt Sex in unserer Gesellschaft oft als verrucht und in bestimmtem Kontext gar als Tabu-Thema. Daraus entsteht wiederum Druck, der besonders für junge Menschen starke Probleme verursachen kann und in ihrer Freiheit und Selbstbestimmtheit einschränkt.

Wir plakatieren Uni-Sex, um unsere Forderungen nach Gleichstellung in den Hochschulen, Bildung und Forschung, wirkungsvoll zu unterstreichen. Und wir bleiben so lange hartnäckig, bis endlich ein gleiches, selbstbestimmtes, freies Leben für alle, unabhängig von Geschlecht oder gesellschaftlicher Sozialisation erreicht ist.

 

Für GRAS gegen Grenzen

Studierende, die aus sogenannten Drittstaaten, also aus Ländern außerhalb der EU- bzw. des europäischen Wirtschaftsraums (EWR) stammen, sind mit zahlreichen Erschwernissen konfrontiert, wenn sie in Österreich studieren wollen. Von ihrer Aufnahme eines Studiums in Österreich bis hin zu ihrem Studienabschluss müssen Drittstaatsstudierende viele bürokratische und finanzielle Hürden überwinden. Dies resultiert aus rassistischen Gesetzesgrundlagen.

Bürokratische Hürden und Schikanen 

Der aufreibende Kampf gegen die Bürokratie beginnt bereits in ihrem Herkunftsland. Dort müssen sie bereits an einer Hochschule einen Studienplatz vorweisen können, um überhaupt an einer österreichischen Hochschule zugelassen werden zu können. Die Zulassung an die österreichische Hochschule wird durch die Tatsache erschwert, dass es keine einheitlichen Richtlinien gibt, die festlegen, welche Schulabschlüsse als Äquivalente zum österreichischen Maturazeugnis anerkannt werden. Auch beim Nachweis ihrer Deutschkenntnisse werden Studierende aus Drittstaaten oftmals mit bürokratischen Hürden konfrontiert.

Erst nach der erfolgreichen Zulassung zum Studium können Drittstaatsstudierende ihr Studierendenvisum beantragen. Der Erstantrag auf ein Visum muss im jeweiligen österreichischen Konsulat oder Botschaft gestellt werden. Dem Antrag müssen bereits Zulassungsbescheid zur österreichischen Hochschule, Nachweis über eine Wohnmöglichkeit und ein Nachweis über Unterhaltsmittel von bis zu 857,73 Euro monatlich beigelegt werden.

Doppelte Studiengebühren und Diskriminierung am Arbeitsmarkt

Sind Drittstaatsstudierende dann endlich zur Hochschule zugelassen, müssen sie ab dem ersten Semester doppelte Studiengebühren (726,72 Euro) zahlen, während Studierende aus EU/EWR-Ländern an öffentlichen Universitäten vorerst davon befreit sind.

Um diese zusätzlichen Kosten zur Sicherung ihrer Existenzgrundlage bewältigen zu können, müssen viele Studierende aus Drittstaaten nebenberuflich arbeiten. Aber auch am Arbeitsmarkt werden sie durch das Ausländerbeschäftigungsgesetz aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert. So dürfen aktuell Bachelorstudierende nur zehn und Masterstudierende lediglich zwanzig Wochenstunden neben ihrem Studium arbeiten.

Leistungsdruck und finanzieller Druck

Um ihr Visum nicht zu verlieren, müssen Studierende aus Drittstaaten einen Studienerfolg von 16 ECTS pro Jahr nachweisen können. Das heißt de facto, dass von Studierenden aus Drittstaaten erwartet wird, dass sie überdurchschnittlich mehr studieren wobei sie sich ihr Leben in Österreich finanzieren müssen, ohne vollen Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten.

Durch diese strengen Auflagen wird eine Elitenbildung forciert und nur Drittstaatsstudierende mit relativ “vermögenden” Eltern können sich ein Studium in Österreich leisten.

Deshalb fordert die GRAS ein Ende der Diskriminierung von Drittstaats-Studis

  • Abschaffung der doppelten Studiengebühren
  • Freier Zugang zum Arbeitsmarkt
  • Abbau der behördlichen Hürden zur Zulassung und beim Visum
  • Schaffung einer Einrichtung, die sich im Sinnen von Diversity Mainstreaming um die Belange von marginalisierten Gruppen kümmert

Barrierefreie Hochschulen

Strukturelle Diskriminierungen erfahren Studierende auch durch physische und psychische Barrieren. Körperliche Beeinträchtigungen werden durch bauliche und räumliche Barrieren verstärkt. Aber auch Studierende mit  psychischen Beeinträchtigungen wie ADHS, Panikstörungen oder post-traumatischen Belastungsstörungen werden durch verschiedene Barrieren an einem freien Studium gehindert. Zusätzlich hat das Bologna-System den Leistungsdruck auf Studierende stark erhöht. Die Konkurrenzsituation am Arbeitsmarkt, Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen verlängern die Studienzeit, schüren Ängste und Stress, was mitunter schwerwiegende psychische Probleme hervorrufen kann. Barrierefreiheit muss also als breiter, vielfältiger Begriff gedacht werden.

Die Hochschulen sind davon noch weit entfernt. Aufnahmeverfahren oder unflexible Prüfungsmodalitäten gehen nicht auf individuelle Bedürfnisse ein und versuchen Menschen in ein Muster zu zwängen. Alle Studierenden – egal ob sie psychisch oder physisch beeinträchtigt sind – sollen die Möglichkeit haben, frei studieren zu können.

  • Abbau von Barrieren und Erweiterung von Barrierefreiheit als breiten Begriff auf allen Ebenen, Sensibilisierung und Bewusstseinsschaffung für psychische Barrieren und Ausweitung der psychologischen Studierendenberatung
  • Hinterfragen von normierten Lehrkonzepten (Prüfungsmodalitäten, Aufnahmeverfahren, Lehveranstaltungsanmeldung, Anwesenheitspflicht,…)